Rahmenthema: Geopolitik und Einwanderung

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Das Rahmenthema des vierten zwischentages am 4. Juli 2015 in Erlangen lautet: Geopolitik und Einwanderung. Es werden dazu im Begleitprogramm mehrere Referenten dieses Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Der Organisator des zwischentages, Felix Menzel, wird über „Repressive Toleranz und die globalen Ursachen der Masseneinwanderung“ sprechen. Damit sich jeder etwas darunter vorstellen kann, haben wir eine ausführliche Vortragsbeschreibung erstellt, die ihr in diesem Beitrag lesen könnt.

Repressive Toleranz und die globalen Ursachen der Masseneinwanderung

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Zu Toleranz aus Vernunft oder Moral sind sicherlich viele Individuen fähig und es ist auf den ersten Blick eine erfreuliche Entwicklung, daß Menschen weltweit aufgrund der medialen Vernetzung an Empathie gewinnen.

Doch große Organisationen, Netzwerke, Unternehmen und Staaten kennen Toleranz nur als Mittel zum Zweck. Sie darf nur so weit gehen, wie sie den eigenen Interessen dienlich ist. Damit ist der Kontrollverlust vorprogrammiert. Die „Quadratur des Kreises aus Wohlstand, sozialem Zusammenhalt und politischer Freiheit“ (Ralf Dahrendorf) muß mißlingen, führt aber nicht etwa zu Revolutionen und Umbrüchen.

In den permanent gewordenen Ausnahmezuständen – Finanzkrise, Terrorismus, Massenmigrationen, …  – greift die herrschende Klasse vielmehr überraschend erfolgreich auf repressive Maßnahmen zurück, die darauf abzielen, das Verhalten der „toleranten Gesellschaft“ so zu steuern, daß sie nicht auseinanderfällt. Unterschwellig laufen diese Maßnahmen, die als notwendige Anpassungen an eine sich rasant wandelnde Welt verkauft werden, immer auf dasselbe hinaus: Alle Menschen der Welt sollen ihre kulturelle Identität aufgeben, sich „flexibel“ verhalten und als „Humankapital“ und Konsumenten funktionieren.

Es wird in diesen Ausnahmezuständen also um Toleranz und Verständnis für die neuesten Zumutungen geworben und jeder, der sich um seinen Arbeitsplatz und gesellschaftliches Ansehen sorgt, macht zähneknirschend das, was von ihm verlangt wird. Eine wehrhafte Reaktion auf diese „repressive Toleranz“ kommt immer nur für wenige, mutige Abweichler in Frage. Ihre als Notwehr erfolgende Verteidigung des Eigenen kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn zugleich eine Antwort auf die Globalisierung formuliert wird. Wer die Welt der Anderen nämlich mit politischen, ökonomischen oder militärischen Mitteln zerstört, braucht sich nicht zu wundern, wenn diese Anderen den eigenen Kristallpalast stürmen.

Ich wünsche mir deshalb eine Welt, in der jeder gerne in seiner Heimat lebt. Dies ist eine Vision. Wir werden ihr nur näher kommen, wenn wir begreifen, was repressive Toleranz in der heutigen globalisierten Welt bedeutet.